Doppelsuperhet im 19"-Einschub





Anfang der Neunziger lag über Monate ein herrenloses 19"-Rack herum. Immer war es irgenwo im Wege. Warum nicht einen schönen, kommerziell aussehenden Röhrenempfänger dort hinein verpflanzen war dann eines Tages der Gedanke! Die bevorstehenden, mechanischen Arbeiten schreckten mich anfangs ab, schließlich war ich aber insgeheim schon dabei, eine Schaltung zu entwerfen.
Ein Doppelsuperhet sollte es werden und ohne großem Aufwand an Bandumschaltung etc.
Ich lotete die mich interessierenden Frequenzbereiche aus, zum fertigen Konzept war es nur noch ein kleiner Schritt.
Mit einem abstimmbaren Oszillator von 5,17 MHz bis 7,17 MHz erhält man bei einer Zwischenfrequenz von 1630 KHz zwei mögliche Empfangsbereiche - nämlich 3540 - 5600 KHz und 6800 KHz - 8800 KHz. Durch einen Vorkreis, der den gesamten Bereich überstreichen kann, ist man in der Lage, nur durch Betätigung dieses Preselektors die Bandwahl durchzuführen. Das Bild zeigt die beiden Skalen und die Zusammenhänge. Die gelben Skalensegmente gelten für 6,8 MHz - 8,8 MHz, die grünen für den Bereich 3,54 MHz - 5,6 MHz.

Jetzt brauchte ich allerdings ein ZF-Filter mit 1630 KHz.
Es kam nur die eigene Herstellung in Betracht. Im Bild weiter unten kann man dieses Filter sehen.
Nun wird es aber Zeit, daß wir uns mit der Schaltung und den verwendeten Röhren beschäftigen.
Wie immer habe ich den Gesamtplan als pdf-file bereitgestellt, bitte Ausdrucken und mit mir die Schaltung durchgehen:



Was die Auswahl der Röhren anbelangt, habe ich hier sicher einen Beitrag zur "Völkerverständigung" geleistet - es kommen deutsche, russische und amerikanische Röhren - alle aus den 30er und 40er-Jahren zum Einsatz!
HF-Vorverstärker und der erwähnte Preselektor sind mit der russischen 6K3, einer steilen regelbaren Pentode, realisiert. Es ist eine Stahlröhre mit Oktalsockel, den amerikanischen Typen sehr ähnlich.
Mit einem Doppeldrehko von 2x320pF kann dieser Vorkreis über die bereits oben erwähnten Bereiche abgestimmt werden.
Diese Stufe macht ordentliche Verstärkung, über ein Poti in der Kathodenleitung kann die HF-Verstärkung geregelt werden, falls dies vom Man/Auto-Schalter freigegeben ist. Ansonsten ist automatische Schwundregelung z.B. für AM-Empfang wirksam. Die beiden Spulen sind handelsübliche Typen mit HF-Kern.
Die Mischer/Oszillatorröhre stammt auch aus Russland - es ist eine 6A7. Sie arbeitet als sog. Pentagrid-Konverter oder auch selbstschwingende Mischstufe, eine typisch amerikanische Schaltungsart in US-Standardsupern.
Sie schwingt in Kathodenrückkopplung, der Oszillatorkreis ist mit einem T68-2-Ringkern bestückt - mit einem 70pF-Eigenbaudrehko wird abgestimmt. Näheres zu meinen Selbstbau-Drehkos später in der Rubrik TIPPS.

Auf die Mischerröhre folgt nun das 1630 KHz-Bandfilter als erster ZF-Kreis. Einige Versuche waren nötig, die ideale Durchlaßkurve hinzubekommen, denn es sollte nicht zu breit werden. Die Hauptselektion erfolgt jedoch erst in der 2.ZF.
Eine weitere 6K3 übernimmt die Funktion der zweiten Mischstufe. Eine Quarzoszillatorschaltung mit 2097 KHz setzt die 1630 KHz nun um auf die zweite ZF von 467 KHz - dieses Bandfilter befindet sich bereits im Anodenkreis. Beide 467 KHz-Filter stammen aus einem alten TRIO-Empfänger, der leider irreparabel war.
Als ZF-Verstärker kommt die erste Amerikanerin zum Einsatz, eine 6K7GT. Dies ist eine Glasröhre mit Oktalsockel im sog. "Glass-Container" mit obenliegendem Gitteranschluß und in typischer Schaltung.
Der Apparat besitzt eine weitere Zwischenfrequenzstufe, den Pentodenteil einer deutschen ECF1. Diese Röhre ist ein weiteres Unikum meiner Sammlung. Sie stammt von einem Flohmarkt, die rote Metallisierung war entfernt (rote Serie von Philips) und sie hatte einen Oktalsockel. Es gab wohl mehrere Bastler, denen die Außenkontaktsockel ausgingen!!
Demoulation für AM, Regelspannungerzeugung und NF-Vorverstärkung ist eine klassische Aufgabe für die US-Röhre 6Q7GT, ebenso eine Glasröhre mit Oktalsockel bei der das Triodengitter nach oben herausgeführt ist.
Einen echten Produktdetektor für den Empfang von Einseitenbandsignalen hat das Gerät nicht, es wird nur ein ZF-Oszillator, auch BFO genannt, verwendet. Diese Aufgabe übernimmt der Triodenteil der ECF1.
Der Überlagerer ist zuschaltbar und über ein 1M-Ohm-Poti in seiner Amplitude regelbar. Mit einem kleinen Drehkondensator, dessen Achse vorne durch die Frontplatte geführt ist, kann die Frequenz verändert werden.
Die Colpitts-Schaltung war leider nicht sehr frequenzstabil, inzwischen habe ich hierfür eine Keramikresonatorschaltung eingebaut.



Schließlich übernimmt eine Philips EL8 die Aufgabe der NF-Endverstärkung - bei 240V Anodenspannung liefert sie gute 2 Watt.
In der Frontplatte vorne kann man rechts neben dem Lautstärkeregler eine Magische Waage erkennen. Es ist eine US-Röhre vom Typ 6AL7 und dient zur Feldstärkeanzeige. Die Beschaltung ist wie bei den meisten "Magischen Augen".
Auf obigen Bild kann man gut die Lage aller Stufen erkennen, die Gleichrichterröhre 6X5GT versteckt sich
allerdings am linken Bildrand.
Die Stromversorgung
ist klassisch mit Röhrengleichrichter und Siebdrossel.

Die Empfangsleistungen des Empfängers sind enorm gut. Durch die Auswahl der beiden Frequenzbereiche hat man die Möglichkeit das 80m-Amateurfunkband, das 75m-Rundfunkband, den Seefunk um 4,3 MHz, das 60m-Tropenband, ein weiteres Flugfunkband bei 5,5 MHz sowie im anderen Bereich den Amateurfunk bei 7 MHz, das 41m-Rundfunkband sowie interessante Bereiche des See-und Flugfunks bei 8,6 MHz zu empfangen.
 

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