Batterie-Super 452Bw




Einem aufmerksamen, früheren Arbeitskollegen habe ich es zu verdanken, daß ich heute Besitzer dieses "Frontempfängers" bin. Er wäre sonst sicher beim Sperrmüll gelandet.
Bei der Wohnungsauflösung einer alten Dame hatte ihn mein Kollege auf dem Dachboden, eingewickelt in eine Wolldecke, gefunden. Meine Sammelleidenschaft für alte Radios war ja überall bekannt, und so bekam ich es einen Tag später überreicht mit der Frage, ob ich so etwas gebrauchen könne!

Diese Art von Radioapparat war mir bislang nicht bekannt. Es handelt sich um einen Batteriesuper für LW, MW und KW, offensichtlich für den Einsatz an der Front gedacht - das Holzgehäuse in wehrmachtsgrau, der Tragegriff und die eindeutigen "Symbole" lassen dies vermuten.

Nach einer ersten Begutachtung vermutete ich - das Gerät ist funktionsbereit. Die Röhren DCH11, DF11, DAF11 und eine DL11 aus der deutschen Stahlröhrenserie steckten noch in den Fassungen, die Batteriefächer für 1,2V und 90V waren leer.

Leider zeigte die Skala des Apparates Auflösungserscheinungen. Die Sendernamen waren direkt auf die Glasplatte gedruckt und diese drohten sich bereits beim leisesten Windhauch abzulösen.
Hier mußte ich schnell handeln - die Glasplatte wurde vorsichtig ausgebaut und mit einem Scanner eingescannt. Die anschließende Bearbeitung mit einem Bildbearbeitungsprogramm ließ die Skala wieder entstehen.
Der Druck erfolgte auf einer Overhead-Folie, die dann später hinter der Glasplatte plaziert wurde.

Aber was war mit der Elektrik? Waren die Batterieröhren heile? Die NF-Endröhre DL11 wies leider einen Heizfadenbruch auf - grande malheur!

Eine Neubeschaffung schied einfach aus Kostengründen aus - die DL11 wurde Ende der Achziger schon um die DM 80 - 100.-- gehandelt.
So blieb nur die Schaffung einer Ersatzröhre. Den Metallzylinder der Röhre habe ich aufgesägt und darin eine DL94 verdrahtet. Das Bild weiter unten zeigt diese DL11E.
Diese Arbeiten gestalteten sich relativ einfach, der Schaltplan war griffbereit an der Innenseite der klappbaren Teilrückwand mit Reißnägeln eingeheftet.
Um das Gerät betreiben zu können, erfolgte schließlich noch der Einbau eines kleinen Netzgerätes, das die erforderlichen Spannungen von 1,2V und 120V generiert. Die neue Endröhre DL94 wird dadurch etwas "unterheizt", es haben sich aber keine erkennbaren Nachteile gezeigt. Die Tonendstufe arbeitet zur vollsten Zufriedenheit.





Das Gehäuse des Empfängers bedurfte keiner Ausbesserung, die jahrzehntelange Aufbewahrung in der alten Wolldecke hat das Gerät gut geschützt. Auch die, innerhalb der Frontklappe angebrachte Sendertabelle, hat die Zeit gut überstanden.
Es ist immer wieder erstaunlich, welch gute Empfangsleistungen so einfache Geräte haben. Trotz der geringen Ausgangsleistung von etwa 0,2W ist die Wiedergabequalität dank des großen Lautsprechers enorm gut.



Zum Schluß noch der Schaltplan des AEG-Radios und die eindeutigen Hinweise an die Hörerschaft des Jahres 1942!




Wichtiger Hinweis

Die auf dem Gerät angebrachten nationalsozialistischen Symbole sind im Urzustand.
Ich möchte mich hiermit eindeutig von diesen und der Gesinnung distanzieren. Um die Originalität des Apparates zu erhalten, habe ich sie hier dargestellt.

Baujahr 1942
Geräte-Bezeichnung 452BW
Wellenbereiche KW - MW - LW
Röhrenbestückung DCH11 - DF11 - DAF11 - DL11
Besonderheiten Truppenempfänger für Batteriebetrieb

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