D/K-BATTERIERÖHREN



Als das Radio mittels der neuen Röhren der A-Serie richtig laufen lernte, war es nur eine Frage der Zeit, die Empfänger auch tragbar oder in Fahrzeugen verfügbar zu haben.
Die allerersten Röhrengeräte Mitte der Zwanziger waren ja batteriebetrieben, aber nicht für den mobilen Betrieb bestimmt.
Angelehnt an die erfolgreiche Technik der A-Wechselstromserie stellte Philips 1935 eine Röhrenserie für den Batteriebetrieb vor, die K-Reihe.
In Größe und Aussehen waren die einzelnen Typen den A-Röhren sehr ähnlich, mit Gitterkappen und der silber-oder goldfarbenen Metallisierung. Die Sockel - es wurde meist der 8-polige Außenkontaktsockel verwendet -  konnten größtenteils pingleich zur A-Serie gehalten werden.

Die Heizung war für die damals übliche Bleiakku-Spannung von 2V und Strömen zwischen 60mA bei Vorröhren und bis zu 200mA für Endverstärker ausgelegt, durch die direkte Beheizung waren die Röhren schnell betriebsbereit.
Die erforderlichen Anodenspannungen waren 90V, bei Endröhren manchmal 135V, die aus sogenannten Anodenbatterien gewonnen wurden.

Folgende Systeme wurden entwickelt:

AM-Gleichrichter  KB1, KB2
AM-Gleichrichter/NF-Verstärker KBC1
HF/NF-Trioden KC1 KC3 KC4
Triode/Hexode Mischer KCH1
HF-Pentoden
KF1 KF2 KF3 KF4
Hexode/Oktode Mischer   KH1, KK2
Endverstärker
KDD1 KL1 KL2 KL4 KL5 KLL3 

                                                      
Die Radioindustrie setzte bei den Batteriegeräten wenig auf Geradeausempfänger, der Superhet war vorherrschend, weil er einfach empfangsstärker war.
Ausnahmen bildeten z.B. der Volksempfänger VE301 B2 und der Deutsche Kleinempfängers DKE38 B,  die je mit 2 x KC1 und KL1 bestückt waren. Sie mußten ja billig sein und so waren sie als Einkreiser ausgeführt.
Auch der sogenannte "Deutsche Olympia Koffer" von 1936, ein Zweikreiser, war mit den K-Röhren KF4, 2 x KC1 und KL1 bestückt.

Die meisten Radiohersteller nutzten damals eine Art Standard-Schaltung für die Batterie-Superhets.: KK2 als Mischstufe, KF3 regelbarer ZF-Verstärker, die Verbundröhre KBC1 als Demodulator und NF-Verstärker und eine KL4 als Lautsprecherendröhre. Immerhin wurden dabei ca. 150mW Ausgangsleistung erreicht, genug für eine gute Lautsprecherwiedergabe.

Eigene Versuche mit den Batterieröhren der K-Reihe sind durchaus lohnenswert. Mit den heutigen technischen Mitteln kann die erforderliche Heizspannung von 2V und auch die Anodenspannungen um 90V leicht erzeugt werden.
Schwieriger ist die Beschaffung der Röhren. Wie letztlich alle Röhren aus jener Zeit zwischen 1930 und 1940 sind sie rar geworden, ihre Preise liegen oftmals um die 20-40 €.
Vorsicht ist geboten bei dubiosen Internethändlern. Es soll schon vorgekommen sein, daß dort K-Typen angeboten wurden, wo im Inneren des Glaskolbens eine russische Subminiaturröhre eingebaut war. Die ordnungsgemäße Funktion ist da sicher nicht mehr gegeben.


1938 wurde in Deutschland eine neue Röhrentechnologie eingeführt, die Stahlröhren. Bis auf Gleichrichter-und Endpentoden waren die Systeme in zylinderförmigen Stahlgehäusen horizontal liegend untergebracht. Die elektrischen Eigenschaften waren aufeinander abgestimmt, so ergaben sich gute HF-Eigenschaften (siehe Kapitel E-Röhren).
Bereits zwei Jahre später erschien dann eine kleine Stahlröhrenserie für batteriebetriebene Geräte, die neuen D-Röhren.
Äußerlich unterschieden sich diese nicht von der E-Stahlröhrenreihe.
Die Heizspannungen waren an die neue Akkutechnik angepasst und betrug 1,2V, die Heizströme lagen zwischen 25 und 100mA. Für die Anodenspannung war meist 90V - 120V üblich.

Hergestellte Typen:

DCH11 Mischstufe/Oszillator
DF11 ZF-Verstärker
DAF11 Demodulator, NF
DL11 NF-Endstufe
DC11 spez.Treiber-Triode
DDD11 Gegentakt-Endtriode

Wie man erkennt, setzte man von Anfang an auf den Superhet-Empfänger, Einkreiser wurden, abgesehen von einigen Bausatzempfängern, kaum gefertigt.
Die etwas später hinzugekommene Treibertriode DC11 und die DDD11 sollten etwas kräftigere Lautsprecherwiedergabe ermöglichen, hat sich aber nicht durchgesetzt. Die Endpentode DL11 brachte es bei 120V Anodenspannung immerhin auf gut 0,3W - völlig ausreichend.

Aus heutiger Sicht wären die D-Stahlröhren ideal für den Bau von nostalgischen Empfängern geignet. Sie hatten gute HF-Eigenschaften, relativ geringe Heizströme und könnten von einem modernen Ni-MH-Akku geheizt werden.
Da sie aber nicht so häufig vorkamen, ist ihre Beschaffung heute etwas für Besserverdienende. Unter 50€ ist nicht mal mehr eine DF11 zu bekommen - vor zwei Jahren mußte ich für einen Bekannten eine DCH11 besorgen und 89€ waren dahin. Mit viel Glück kann man einzelne Exemplare bei Amateurfunkbörsen ergattern - den kompletten Satz eher nicht.

Zeitgleich zur D-Stahlröhrenserie entwickelte Philips zwei eigene Batterieröhrenserien mit dem internationalen Oktalsockel und dem brandneuen Loctalsockel.
Die Oktal-Reihe hatte noch die übliche Bauform mit Gitterkappe, die Röhren der Loctal-Serie waren schon Ganzglasröhren mit Metallfuß und ohne Gitterkappen.
Von den Amerikanern übernahm man in Europa schließlich noch eine weitere Serie von Batterieröhren, die 30er-Reihe mit Oktalsockeln.
Die wichtigsten Röhren jeder Serie im einzelnen:


Die sog. 21er-Serie Heizung 1,4V

DK21 Oktode-Mischer
DF21 ZF-Verstärker
DAC21 Demododulator,NF
DL21 NF-Endstufe






25er-Serie mit Loctalsockel Heizung 1,2V

DK25 Oktode-Mischer
DF25 ZF
DAC25 Demodulator, NF
DL25 NF-Endstufe









Die aus den USA stammenden Röhren 1A7GT, 1N5GT, 1H5GT und der Endröhre 1Q5GT wurde in Europa in Lizenz gefertigt und als 30er-Reihe mit 1,4V Heizspannung folgendermaßen bezeichnet: DK32 - DF33 - DAC32 - DL36



Das Bild zeigt diese Reihe, die in Deutschland kaum bekannt war, da hier die Stahlröhren bevorzugt verbaut wurden. Im Vergleich dazu eine DC11 von Telefunken.

Die oben genannten Röhrenreihen sind überraschenderweise noch häufig und günstig zu erwerben. Der Aufbau von Geräten, gerade mit der 21er-Serie und ihren Gitterkappen, ermöglicht in jedem Falle ein nostalgisches Aussehen.
Auch die Reihe aus den USA ist noch zu moderaten Preisen zu bekommen.


Die weitaus größte Bedeutung erlangten die Batterieröhren aber in der Pico-7-Miniaturausführung der 90er-Reihe Ende der 40er Jahre.
Einige Jahre später so um 1950 erreichte eine Rimlock-Serie aber nur kurz an Bedeutung und wurde auch nicht lange gefertigt.
Leider besitze ich kein Exemplar dieser Röhren - ein Bild dazu fehlt daher.
 
Mit 1,4V Heizspannung ausgestattet wurden folgende Röhren gefertigt:  DK40, DAF40, DL41

Was schon 1940 in Amerika mit den ersten Miniaturröhren 1R5, 1S5 und 1T4 begann, setzte Europa ab 1948 in die bekannte 90er Serie um.
Die "Kofferradios" trugen ab da ihren Namen zu Recht. Durch die geringe Größe wurden die Batterieempfänger immer kompakter.
Damals gab es sogar einen Mittelwellen-Fahrradsuper, der die Form einer vergrößerten Leuchte hatte.
Zunächst erschienen die Röhren mit Heizströmen von 50mA bzw. 100mA für Endpentoden. Die Heizspannungen betrugen ab sofort nur noch 1,4V, um mit den jetzt üblichen Trockenbatterien heizen zu können. Oftmals wurden die Heizfäden bei höheren Batteriespannungen auch in Serie geschaltet.
Als Anodenspannungsquelle dienten sog. Anodenblocks, die es für 45V, 67,5V und 90V zu kaufen gab.

Die Standard 91er-Serie (und die US-Bezeichnung)

DK91 1R5
Mischheptode
DF91 1T4
ZF-Verstärker
DAF91 1S5
Demodulator, NF
DL91 1S4
NF-Endpentode

Auch zu dieser Zeit wollte man schon Energie einsparen und so kam es durch Philips Miniwatt zur Entwicklung der 96er Serie, die nur noch den halben Heizstrombedarf aufwies, nämlich 25mA und 50mA für die Endpentode. Diese Reihe kam schon mit 67,5V Anodenspannung und darunter aus, ohne merklich an Empfindlichkeit und Betriebssicherheit einzubüßen.

Die 96er-Reihe

DK96 Mischheptode
DF96, DF97 ZF-Verstärker
DAF96 Demodulator, NF
DL96 NF-Endpentode

Nachdem Anfang der 50er der qualitativ hochwertige UKW-Rundfunk startete, mußten auch die Kofferradios für diesen Wellenbereich gerüstet sein. Wie bei den großen Heimradios bedurfte es eines UKW-Teils in Form einer selbstschwingenden Mischstufe.
Für die Röhren der 91er-Serie war dafür die DC90, für die Stromsparreihe die Triode DC96 vorgesehen. Für letztere kam bei einigen, mir bekannten Geräten, auch eine als Triode geschaltete DF97, zum Einsatz.

Neben diesen o.g. Standard-Röheren für Rundfunkgeräte gab es natürlich noch eine Menge anderer D-Röhren - ihre Aufzählung würde an dieser Stelle jedoch zu weit führen.
Einige sind jedoch erwähneswert:  die DL93 z.b. war in vielen Kleinfunkgeräten der Militärs als Sendestufe zu finden, ebenso die Doppeltriode DCC90. Diese wurde von vielen Fernsteuerfreunden gerne als Pendelempfänger und Schaltstufe bis Ende der 50er verwendet.
Ja selbst in den Fersehgeräten jener Zeit gab es D-Röhren, die DY80 und später die DY86. Es waren Hochspannungsgleichrichter und wurden mit pulsierender Gleichspannung direkt aus dem Zeilentrafo geheizt.

So um 1960 ging die große Ära der Miniatur-Batterieröhren jedoch zu Ende, ihr Kongurent, der Transistor verdrängte sie mehr und mehr.



Keine Röhrenreihe ist besser geeignet, als die beiden letztgenannten, um eigene Erfahrungen in der Röhrentechnik zu sammeln. Wegen der relativ ungefährlichen Spannungen gestaltet sich der Aufbau von einfachen Mehrkreisern bis hin zum Superhet und Kleinsendern einfach und sicher.
Als Heizbatterie kann beispielsweise eine Monozelle dienen, die gute 100 Stunden Betrieb erlaubt. Anodenbatterien gibt es leider seit Mitte der 70er nicht mehr zu kaufen, aber man kann sich seine Batterie ja aus 6-8 in Serie geschalteten 9V-Blocks selbst herstellen.
Oder man benutzt einen kleinen Spannungswandler von 6 oder 12V nach 60-90V. Das Internet ist voll von tollen Bauanleitungen hierfür.

Zum Glück gibt es vor allem aus der 91er Reihe bei vielen Händlern noch einige Typen zu kaufen. So bietet oder bot POLLIN ELECTRONIC die oder1T4 DF91 für sage und schreibe 50 Cent an. Hier sollte man zugreifen, denn die DF91 ist für alle Zwecke brauchbar - als HF-Verstärker, Audion, NF-Verstärker und selbst als kleine NF-PA ist bescheidener Lautsprecherbetrieb möglich.
Die Preise für die Endpentoden DL91 und die stärkere DL94 sind deutlich gestiegen, das gleiche gilt für die DK91 als Mischer.
Die 96er Serie ist schon seltener zu bekommen. Unter 10 - 12€ ist keine Röhre mehr erhältlich, die DK96 ist mittlerweile hochbegehrt und entsprechend teuer.
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