E-SERIE



Wenn man heute über Elektronenröhren spricht kommt meist der Hinweis - "kenn ich" selbst noch damit gebastelt": EL84, ECC83, EL34, EF80 sind manchen noch ein Begriff. Auffallend ist meist, daß es offensichtlich nur Röhren gegeben haben muss, die mit E beginnen.
Nun dies ist nicht verwunderlich - E-Röhren waren in fast allen Radios, Verstärkern und Tonbandgeräten der Fünfziger zu finden.
Der Beginn dieser Röhrenserie mit 6,3V Heizspannung geht aber bereits in das Jahr 1934 zurück, als gerade die damals neuen Wechselstrom A-Röhren eingeführt wurden.

Um mobile Radioapparate vernünftig aus dem Bordnetz von Kraftfahrzeugen direkt heizen zu können, legte man die damals übliche, mittlere Spannung eines dreizelligen Bleiakkus von 6,3V als Heizspannung fest. Damit waren sie aber auch als weitere Wechselstromserie geeignet.
Die ersten E-Röhren hatten den neuen Außenkontaktsockel, in der Bauweise glichen sie der A-Serie.

Zunächst kamen Anfangsröhren wie EAB1, EF1, EF2, EF5, EF6, ECH3, EK3 sowie eine kleine Endpentode EL1 mit 0,4A Heizstrom auf den Markt. Später konnte man dann den Heizstrombedarf sogar auf 0,2A senken, auch für die neue Endpentode EL2.
Im weiteren Verlauf der Entwicklung kamen u.a. weitere Leistungspentoden wie EBL1, EL3, und EL6 hinzu.

E-Röhren vor 1938



Denn das Jahr 1938 stellte die Weichen für die Weiterentwicklung der E-Serie in Form der völlig neuen, sogenannten
"Deutschen Stahlröhrenserie".

Bis auf die großen Gleichrichter und die kräftigen Endröhren waren die Röhrensysteme in Metallzylindern horizontal montiert. Die PIN-Belegungen der neuen 8 und 10-poligen Stahlröhrensockel konnten angeglichen werden, die Kennlinien und Funktionen der Systeme waren harmonisch aufeinander abgestimmt, was dieser Röhrentechnik auch den Beinamen "Harmonische Reihe" einbrachte.
Der Heizstrom für die Anfangsstufen war einheitlich 0,2A und deshalb wurde eine gemischte Verwendung mit C-Röhren in Allstromgeräten möglich.





Die wichtigsten Stahlröhren ab 1938 und ihre Verwendung im Radioapparat zeigt folgende kleine Tabelle:


Mischstufe/Oszillator ECH11
ZF-Verstärker/HF-Vorstufe EF11, EF12, EF13
Demodulator/NF-Verstärker EBC11, EBF11
NF-Endröhre EDD11, EL11, ECL11, EL12
Gleichrichter AZ11,EZ11, EZ12
Magisches Auge EM11, EFM11

In deutschen Rundfunkempfangsgeräten wurden faktisch nur noch Stahlröhren verbaut.
Im Standardsuperhet kamen meist ECH11, EF11, EBF11, EZ12 und für Heimempfänger die Endröhre EL11 zum Einsatz. Für Autoradios mit Zerhackerversorgung gab es die spezielle Gegentakt B-Doppeltriode EDD11 sowie den kleinen Gleichrichter EZ11.
Mit Einführung der Verbundendröhre ECL11 ab 1939 konnte man die Schaltungen nochmals vereinfachen. Einfache Radios hatten nur noch vier Röhren, die ECH11, EBF11, die neue ECL11 und die Gleichrichterröhre EZ11.
 
In den anderen europäischen Länder kam vielfach die von Philips eingeführte und als "Rote Serie" entwickelte E-Serie mit Aussenkontakten zum Einsatz.
Bei den Stahlröhren gab es bis 1950 weitere Röhrensysteme, speziell für den beginnenden UKW-Rundfunk.
So gesellten sich zur Grundserie Röhren wie  EF14, EF15, ECF12 und EAA11 für UKW sowie die kleine Endröhre EL13.

In Philips-Geräten tauchten um 1941 die ersten Ganzglasröhren mit Loktalsockel auf. Gefertigt wurden u.a. eine ECH21, EF22, EBL21 sowie die Gleichrichterröhre AZ21.



Diese E-Serie war in Deutschland wenig verwendet worden. Sie stellte allerdings das Bindeglied für eine nach dem Krieg entwickelte und ab 1947 Schritt für Schritt neu eingeführte Serie dar, die E40er-Röhren.
Die Glaskolben, der anfangs noch mit Metallkragen gefertigten Rimlockreihe mit 8 Stiften und Rastnase, waren inzwischen klein geworden und hatten schon die Größe der bekannten Novalröhren.

Röhren der Rimlock-Reihe


Mischstufe/Oszillator ECH41, ECH42, ECH43 (UKW)
ZF/Hf-Verstärker EF41, EF42, EF43
Demodulator/NF-Verstärker EAF41, EAF42, EB41, EBC41, ECC40
NF-Endröhre EL41, EL42, ECL113
Gleichrichter AZ41, EZ40, EZ41



Ein Sonderling dieser Reihe war die ECL113. Mit der ungewöhnlichen Ordnungsnummer 113 war 1950 eine weitere Rimlockserie geplant, die letztlich von Telefunken doch nicht verwirklicht worden ist. Diese Verbundröhre Triode-Endpentode war jedoch der Vorreiter für die später folgenden erfolgreichen Röhrentypen wie ECL82 und ECL86 der Novalserie.

Bis etwa 1953 waren Radioapparate gemischt mit Rimlockröhren und den ersten Novaltypen bestückt. Für UKW kamen zunächst die steilen Pentoden EF42 und EF43 als HF-Verstärker und Mischer zum Einsatz, später die spezielle klingarme Triode-Hexode ECH43.
Für den Autoradiobetrieb gab es die kleine EL42 mit nur 0,2A Heizstrom. Dennoch konnten mit ihr gute 3W NF-Leistung erzeugt werden. Aus dieser Röhre entstand Jahre später die bekannte EL95.

Wie schon bei den Stahlröhren und der Loctal-Serie wurden auch in der Rimlockserie immer noch direkt geheizte Gleichrichterröhren, wie die oben im Bild gezeigte AZ41,  geführt. Mit dieser ging aber die Ära der 4V-geheizten Gleichrichter zu Ende, bei den später folgenden Noval-und Miniaturröhren gab keine mehr.

An dieser Stelle sollte auch mal erwähnt werden, daß der Übergang von einer Röhrenart zur anderen niemals schlagartig erfolgte. So wurden beispielsweise Stahlröhren noch in Radios der Fünfziger verbaut. Ein klassischer Vertreter dieses Mix ist der von mir in der Rubrik Radios vorgestellte GRUNDIG 3010, der neben Novalröhren und Rimlocktypen in der Endstufe noch eine EL11 enthielt.
Erst ab 1955 verschwanden die Stahlröhren und die 40er-Serie relativ rasch.
Sie wurden von zwei neuen Röhrentypen, der Piko-7 mit 7 Pins und der allbekannten Novalröhre mit 9 Stiften verdrängt.

1942 kam in den USA eine kleine Universalpentode mit einem 7-Stift Miniatursockel auf den Markt - die 6AK5. In Europa wurde sie viele Jahre später als EF95 bezeichnet.
Man munkelt, sie wäre von der deutschen Wehrmachts-Universalröhre RV12P2000 abgeschaut worden, die Daten sprechen jedoch nicht dafür.
Ihr folgten dann 1946 die 6BA6 = EF93 und die bekannte Mischheptode 6BE6 = EK90.


E-Röhren mit 7-Stift-Miniatursockel



Zeitgleich entstanden ebenfalls in Amerika die Noval-Röhren mit 9 Stiften.
In Europa übernahm man um 1950 diese neue Bauform und führte diese zusammen mit der Pico-7 bis zum Ende der Röhrenzeit.
Die erste dieser beiden Röhrenserien in Europa war die Noval-Triode EC80 von 1949, die aber nur in Spezialgeräten zum Einsatz kam.
1950 gab es erstmals die 6AQ5, auch als EL90 bekannt. Sie war eine sog. Beam-power-Pentode mit Miniatursockel. In deutschen Radios war diese allerdings kaum vertreten.
Man hat in den USA herausgefunden, daß man das Bremsgitter der Pentode durch zwei sog beam-plates, also zwei Bleche ersetzen kann, die den Anodenstrom  stark bündeln.
So konnte man mit relativ kleinen Anoden große Ströme fließen lassen - es entstand eine leistungsfähe Endpentode oder doch Tetrode? Man streitet heute noch darüber.
In den Staaten entstanden eine Menge Beam-Tetroden, auch in Europa sind einige Endröhren so ausgeführt worden, so z.b. die EL95 und die Ablenkröhren EL36, EL500 und EL519.

In kurzer Zeit kamen viele neue Röhren hinzu, gerade als das Fernsehen startete. Die ersten Novalröhren für Rundfunk-und Fernsehempfänger waren ECL80, EBF80, EF93, EF94 sowie die berühmte NF-Endpentode EL34 mit Oktalsockel von 1950.
Bis 1953 waren alle Rundfunkröhren der Neuzeit eingeführt: EC92, ECC81, ECC82, ECC85, ECH81, EF85, EF89, EABC80 und als Endröhre die EL84, die in nahezu jedem Radio dieser Zeit zu finden war.

Wichtige Radioröhren der E-Noval/Miniatur-Serie


HF-Verstärker EF85
Mischstufe/Oszillator ECH81, ECC85, EC92
ZF-Verstärker EF85, EF89, EF93, EBF80, EBF89
Demodulator/NF-Verstärker EAA91, EBC81, EABC80, EF86, ECC83
NF-Endröhren ECL82, ECL86, EL84, EL86, EL95
Abstimmanzeige EM80, EM84, EM85, EM87



Die kleine Endpentode EL95, zuletzt in den kleinen Küchenradios von Philips verwendet, kam 1956 zusammen mit der EL86 dazu. Mit letztgenannter konnten erstmals sog. eisenlose Endstufen realisiert werden. Mit zwei dieser EL86 in Seriengegentakt waren knapp 5 Watt an einem 600 Ohm Lautsprecher ohne Übertrager herauszuholen.
Mit der Verbundröhre ECL86 von 1960 konnten die letzten Röhrenradios nochmals vereinfacht werden - inzwischen kamen schon Dioden z.b. im FM-Demodulator vor.
Eine typische Bestückung der 60er war ECC85, ECH81, EAF801 und ECL86. Selengleichrichter gab es schon ab 1946.
Die aufkommende Stereotechnik verlangt auch nach entsprechenden Röhrensystemen. Für Gegentaktendstufen und Zweikanalverstärker kamen zwei interessante Röhren mit Novalsockel auf den Markt, die ELL80 und die ECLL800. Beiden vereinten jeweils zwei Systeme der EL95 in sich, die ECLL800 zusätzlich eine Triode als Phasenumkehrstufe. Diese ECLL800 dürfte eine der meist gesuchten Röhren der Moderne sein.
 
Für den Einsatz in Autoempfängern ging 1957 eine spezielle Niederspannungsserie ins Rennen, die mit Anodenspannungen von 6 und 12V!! arbeiteten. Es waren dies eine ECH83, EF97, EF98, EBF83 und etwas später die ECC86 für UKW-Teile. Eine Endpentode gab es natürlich nicht - meist wurde ein Germaniumleistungstransistor im Eintakt verwendet.
Manchmal wird behauptet, diese Röhren seien gar keine eigenständige Serie gewesen - man hätte nur ausgesuchte ECH81, EF93, EF94 und EBF89 verkauft. Dies ist definitiv falsch. Die genaue Untersuchung einer EF97 hat ergeben, daß die Abstände der Gitter zu den Anoden viel viel kleiner sind - deshalb sind auch max. nur 30V Anodenspannung erlaubt.
Aber auch diese Technik konnte den Siegeszug der Halbleiter nicht aufhalten.
Für Bastelzwecke sind diese Röhren jedoch ideal. Von 12V Anodenspannung geht keine Gefahr aus und nebenbei sind diese Röhren immer noch sehr billig zu haben.
So ein Superhet mit EF97 als Vorstufe, ECH83 als Mischer, EF97 in der ZF und der EF98 als NF-Treiber ist äußerst leistungsfähig.


Niederspannungsröhren




Mit der Farbfernsehtechnik und vielen neuen Funktionen mussten ab 1965 nochmals neue Röhrensysteme mit 10-Stift-Sockel, die Dekalröhren, geschaffen werden.
Diese wurden auch als E-Röhren für Exportgeräte in 110V-Netzen gefertigt. Typische Vertreter dieser Reihe waren u.a. ECF200, ECH200, ECL200, EFL200.


Die bekanntesten Endröhren der E-Reihe





Die hervorragende NF-Endröhre EL503 von 1965 mit Magnoval-Sockel beendete die Röhrenentwicklung langsam aber sicher. Sie kam einfach zu spät, Transistoren waren mittlerweile in der Lage, große Leistungen zu erzeugen und wichtige Funktionen sowohl im Radio als auch beim Fernsehgerät zu übernehmen.
Die letzten neuen Röhren für Fernseher waren 1968 die PCL805/ECL805 sowie die großen Ablenkpentoden EL519/PL519 von 1970.

                                                                      


Die Beschaffung von E-Röhren mit Außenkontaktsockeln ist sicher schwierig geworden. Typen wie EF9, ECF1, EK2, ECH4 und die kleine EL2 werden gelegentlich noch zu humanen Preisen angeboten. Stahlröhren sind noch zu Hauf auf dem Markt. Für die großen Glasröhren wie EL11 oder vor allem ECL11 muß man schon tief in die Tasche greifen.
Gut geignet für den Eigenbau sind die EF11 und EF12. Trotz ihrer Klobigkeit sind sie robust mit hervorragenden Daten.
Noval und Miniaturröhren sind immer noch erhältlich, wenn auch nicht mehr jeder Typ. Die Nachbestückung von Radios der Fünfziger und Sechsziger bereitet im allgemeinen keine Schwierigkeiten, wenn man nicht gerade eine exotische Röhre wie die o.g. ECLL800 benötigt.
Für den Selbstbau von Geräten bieten sich Röhren wie EF89, ECH81, ECC82 oder ECC85 an. Viele E-Röhren sind mittlerweile auch aus Russland in guter Qualität erhältlich. Ihre Bezeichnungen differieren jedoch von den europäischen, genaue Information ist hier wichtig.
Die guten alten EL84 oder die EL34 für Kraftverstärker sind rar geworden und die Preise können einen schon erstaunen lassen.
Es lohnt sich auch durchaus, die Dachböden von Freunden oder Nachbarn zu inspizieren.

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