Batteriesuper im Miltary-Look

Genau genommen handelt es sich bei folgendem Gerät um keine Eigenentwicklung von mir. Im Inneren des "militärisch aussehenden" Gerätes versteckt sich nämlich das Chassis eines Empfängers R-77.
Dieser wurde bis etwa 1966 in Lizenz von Telefunken für den Funkgerätesatz GRC-9 der Bundeswehr gebaut, auch als separater Empfänger mit 24V-Stromversorgung.
Die Technik des R-77 war mir bestens bekannt. An der ehemaligen Fernmeldeschule des Heeres in Feldafing wurde ich noch "1974" an diesem Gerät ausgebildet!

Auf einem Amateurfunkflohmarkt konnte ich ein Chassis mit Drehknöpfen, allerdings ohne Gehäuse, recht günstig erwerben. Später kam noch ein Orignal-Spannungswandler hinzu. Da die fehlenden Teile nicht zu bekommen waren, entschied ich mich für die Unterbringung in einem Holzgehäuse samt Stromversorgungsteil.




Vorder-und Rückseite des unteren Empfängerteils sind aus Epoxydharzplatten gefertigt - sie lassen sich gut bearbeiten. Die Stromversorgung PP-77 ist äußerlich im Orignalzustand, wurde lediglich grau lackiert und in das Gehäuse integriert..
Elektrisch habe ich diese Einheit jedoch verändert. Anstatt mit 24V sollte das Gerät mit 12V betriebsfähig sein. Der Wandler, der alle Spannung des Empfängers (1,5V Heizspannung und 105V Anodenspannung) erzeugt, ist ursprünglich mit einem Längsregler in Transistortechnik ausgestattet. Der Zerhacker selbst läuft mit 13,2V. Den nunmehr "arbeitslosen" Regler habe ich einfach stillgelegt.
Der Apparat verbraucht bei 13V Versorgungsspannung gerade mal 200mA - ideal für Batteriebetrieb.

Das Empfangsteil war technisch in Ordnung, lediglich die 6V-Gitterbatterie, die die Vorspannung für die NF-Endröhre DL95 erzeugte, fehlte. Sie wurde durch eine Lithium-Zelle ersetzt, die vermutlich mehrere Jahre aushalten wird.
Und was mich an dem ansonst hervorragendem und sehr frequenzstabilem Empfänger schon damals störte, wollte ich bei dem Neuaufbau endgültig abstellen - ein fehlender Produktdetektor für SSB-Empfang.
Als Überlagerer-Oszillator ist ja schon eine Mischröhre DK91 im Einsatz - es bot sich demnach an, diese als "echten" Produktdetektor umzubauen. Unter Einbeziehung des Betriebsartenschalters konnte ich eine Lösung finden, ein zusätzliches Tonfilter für Telegrafieempfang kam noch hinzu. Es besteht aus einem Parallelschwingkreis für etwa 800Hz Mittenfrequenz und weist eine überraschend gute Selektivität auf.

Den umgebauten Schaltungsteil des Empfängers biete ich hier an:



Auch das Stromversorgungsteil ist, wie bereits erwähnt, modifiziert worden. Die Schaltung sieht nun so aus:


Um an das Gerät auch einen niederohmigen Lautsprecher anschließen zu können, wurde ein zusätzlicher NF-Übertrager erforderlich. Ursprünglich besitzt der R77 nur die zwei 4000 Ohm und 250 Ohm-Ausgänge.
Ein kleiner CONRAD-Übertrager setzt die 4KOhm nun auf 5 Ohm um. Diese drei Buchsenpaare für die verschiedenen Hörer sind an der Frontplatte herausgeführt. (Auf den Bildern gut zu erkennen)



Die aufgezeigten, behutsamen Eingriffe haben den R77 zu einem leistungsfähigen Batteriesuper gemacht. Saubere SSB-Wiedergabe und eine verblüffende Frequenzstabilität sind besonders hervorzuheben.
Mehrmals hatte ich den Empfänger schon in freier Natur an der Zigarettenanzünderdose des Fahrzeugs und mit Behelfsantenne im Einsatz.
Neugierigen Spaziergängern bin ich durch den "Military-Look" schon aufgefallen.

Zwischenzeitlich hat mir OM Christoph HB9DAO eine weitere Variante des Produktdetektors zugesandt und möchte diese als jpeg hier zur Verfügung stellen.
Vielen Dank Christoph für den Beitrag.