RÖHREN VOR 1933



Als 1923 der deutsche Rundfunk seine ersten Sendungen ausstrahlte, waren die meisten Empfangsgeräte noch einfache Detektorapparate, nur die Spitzenmodelle waren mit Röhren im NF-Teil oder als Audion bestückt.
Jeder Hersteller hatte seine "Superröhre", die Bezeichnungen einfache Buchstaben-oder Zahlenkombinationen. Man einigte sich 1928 auf die R-Kennzeichnung.
Eines hatten diese frühen Röhren aber gemeinsam: sie wurden aus Batterien versorgt und direkt geheizt. So gesehen waren diese ersten Röhrenapparate reine Batteriegeräte, wenn auch meist nicht portabel.
Sowohl die 4V-Heizspannungen und die Anodenspannungen mussten aus Akkus oder Primärzellen gewonnen werden.
Erst um 1926 ermöglichten die ersten praktikablen Gleichrichterröhren auch den Betrieb aus dem Lichtnetz.





Europa-Fassung

Das Foto zeigt einige typische Röhren jener Zeit, die RE064 von 1926 bis zur 1933 erschienenen RGN2404. Der 4 oder 5-polige Europa-Sockel wurde schon 1925 als Standard eingeführt, bei HF-Röhren war die Anode oben herausgeführt. Auch seitliche Anschlüsse waren notwendig, weil der 5-pol-Sockel nicht mehr ausreichte.

Was steckt nun hinter den Bezeichnungen wie RES oder RE oder wie oder was?

1.Buchstabe R        bedeutet Röhre
2.Buchstabe E        kennzeichnet eine direkt geheizte Empfängerröhre, meist Trioden   Beispiel RE064, RE134           
2.Buchstabe G        ist eine Gleichrichterröhre   Beispiel RGN1064                                                                           
2.Buchstabe S        ist eine Senderöhre, Triode oder später Pentode   Beispiel RS241
2.Buchstabe V        Kraftverstärkerröhre, Trioden und Pentoden   Beispiel RV258                                                                      
3.Buchstabe N        bedeutet Netzröhre mit indirekter Heizung   Beispiel REN904                                   
3.Buchstabe S        bezeichnet eine sog. Schutzgitterröhre, Tetrode   Beispiel RES094, RES964                                  
4.Buchstabe S        Schutzgitterröhre oder Pentode für Netzbetrieb   Beispiel RENS1374

Im übrigen war bei den Netzröhren die letzte Zahl der Röhrenbezeichnung ein Hinweis auf die Heizspannung von 4Volt. Die beiden ersten Ziffern gaben den ungefähren Heizstrom in  1/100A an.
Einige Gleichrichterröhren, wie die oben abgebildete RGN1503, wurden mit 2,5V beheizt.
                                                            
Die meisten Röhren aus dieser Zeit waren alles andere als perfekt. Ihre Kennlinien waren noch stark abweichend, die Lebensdauer entsprechend gering. Trotzdem haben einige Röhrentypen eine gewisse Berühmtheit erlangt.
So zum Beispiel die LOEWE Mehrfachröhre 3NF, ein Kunstwerk, das bereits 3 Trioden und mehrere Widerstände in einem gemeinsamen Glaskolben vereinte. Dies war wohl die Geburtsstunde der integrierten Schaltungen.

Mit den Endtrioden RE114 und der oben zu sehenden RE134 begann beim Radio die Wiedergabemöglichkeit in Lautsprechern. Diese Röhren erreichten immerhin 0,3 bzw. 0,65W Ausgansleistung.
Die Pentode RES964 von 1933, war schon eine kräftige Lautsprecherröhre, wie NF-Endröhren damals benannt wurden. Mit ihr konnten schon über 3,5W erzielt werden.
Häufig verwendet wurde die damals billige RES164, eine direkt geheizte Pentode - eigentlich noch für Batteriebetrieb entwickelt. Sie war in einigen Modellen des Volksempfängers VE301 noch 1938 verwendet worden und sorgte für das berühmte 50Hz-Brummen des Empfängers.
Auch die erste Batterieversion des Volksradios, der VE301 B1 wurde noch 1933-1934 mit den veralteten Typen RE034 und RES174d hergestellt.

Weitere wichtige Typen waren REN904, REN914, RENS1294, RES174, RGN1064.

Wer sich heute mit dem Gedanken trägt, ein Gerät jener Zeit zu restaurieren oder ein nostalgisch aussehendes Radio nachzubauen, muß sich im Klaren darüber sein, daß es teuer werden kann.
Diese Röhren sind natürlich selten geworden, neue Ware ist nicht mehr zu bekommen und der Internethandel mit solchen Röhren ist eine reine Abzocke und immer ein Risiko. Für eine noch brauchbare RES164 muß man gut und gerne 40-60€ hinlegen.
Ausnahme bildet die RES094, im Bild oben zu erkennen. Diese ist bei diversen Röhrenhändlern noch für ein paar Euro zu bekommen.

Ich könnte mir gut vorstellen, einen Ein-oder Zweikreiser damit aufzubauen. Die Heizung ist 4V Gleichspannung bei 60mA Strom, die Röhre arbeitet als Audion schon bei Anodenspannungen ab 50V zufriedenstellend.
Der Eigenbau mit den REN und RENS-Typen ist nicht zu empfehlen. Sie haben meist Heizströme von über 1A, bei mehrstufigen Empfängern kommt da schnell ein großer Netztrafo zusammen.
Desweiteren haben diese Typen ein enorm lange Anheizzeit - das kann schon mal 2 Minuten dauern, bis da etwas glüht.
Fassungen für diese Röhren - also den Europasockel gibt es wieder in guter Qualität zu kaufen.



Kraftverstärkerröhre RV258

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