Volksempfänger VE301Wn






Wer etwas von historischen Radioapparaten versteht wird natürlich gleich auf den ersten Blick erkennen, das sich dieser "Volksempfänger" nicht mehr im TOP-Orignal-Zustand befindet.
Ich bin allerdings dankbar, ihn wenigstens in diesem Erscheinungsbild seit vielen Jahren im Betrieb haben zu dürfen, denn so wie das Gerät - eigentlich müßte man sagen "Etwas" - zu mir gelangte, war zunächst an eine erfolgreiche Instandsetzung nicht zu denken.
Kurzum, die Drehknöpfe, der Bespannstoff des Lautsprechers und dieser selbst sind nicht ursprünglich.

Vor vielen Jahren bat mich ein damals befreundeter Funkamateur um die Restaurierung seines DKE38, dem deutschen Kleinempfänger von 1938. Als Gegenleistung bot er mir Fragmente eines VE301 an, die er per Zufall auf einer abgelegenen Stelle einer Mülldeponie fand. Ich lenkte ein, ein paar Tage später kam er mit einer Schachtel an.
Zunächst konnte ich darin keinen Volksempfänger, jedoch eine Menge Lehm, Löwenzahn und Gräser sehen. "Er war halt tief im Dreck" meinte der Bekannte und überlies mir die Sache zum Nulltarif.
Sein DKE38 war ziemlich schnell instandgesetzt und so wagte ich eines Tages die Befreiung der VE-Teile aus dem Pappkarton.
Leider gibt es keine Fotos der Aktion - die Fotografie war noch nie mein Ding - aber dieser Erdblock mit etwas Radio wäre wirklich sehenswert gewesen.
Während einer mehrtägigen Aktion kam tatsächlich ein fast kompletter VE301Wn aus dem Jahr 1937/38 zum Vorschein. Der Lautsprecher, Drehknöpfe und Röhren fehlten. Die Rückwand des von der Firma SCHALECO gefertigten Gerätes lag ganz unten im Karton als "Grundplatte".
Nach einer Nassreinigung - ich hatte keine Hoffnung auf erhaltene Bauteile - stellt sich heraus, daß alle wichtigen Teile wie Drehkos, Audionspule, Spulenschwenker und Röhrenfassungen durch den Lehm offensichtlich gut konserviert worden waren. Selbst der Netztrafo hatte keinen Schaden genommen.




Innenansicht des VE301Wn


Den kompletten Röhrensatz, bestehend aus RGN354, AF7 und RES164, hatte ich noch in meiner "Schatzkammer" aus der Jugendzeit.
Wie bei den meisten Geräten dieser Zeit, mußten viele Bauteile durch moderne ersetzt werden, sie sind ja nicht sichtbar unterhalb des Chassis.
Einen bezahlbaren Ersatzlautsprecher habe ich nicht bekommen, ich entschied mich deshalb zur Anfertigung einer Blende zur Aufnahme eines etwas kleineren Lautsprechers. Mit einem 100V-Übertrager aus einer ELA-Anlage konnte ich ein passendes Übersetzungsverhältnis finden, die Tonendstufe arbeitet wunderbar.
Für die Bespannung der Lautsprecheröffnung mußte ein ausgedienter Vorhang meiner Gattin herhalten - macht sich aber gut!
Einigermaßen authentisch wirkende Drehknöpfe rundeten die Arbeiten an dem Gerät schließlich ab.


Die ersten Empfangsversuche damals waren vielversprechend, ein original belassener Gitterwiderstand der AF7 schwächelte nach ein paar Minuten Betriebszeit. Seit dem Austausch läuft der VE301Wn ohne Störungen und hat einen Ehrenplatz im Bücherregal des Wohnzimmers.
Ausnahmslos jeder Besucher spricht mich auf das Gerät an und ich komme selten darum herum, die Funktionstüchtigkeit auch vorzuführen.

Als Behelfsantenne dient nur ein 3-4m langer Draht, der unsichtbar im Kabelschacht der modernen Medienverkabelung verlegt worden ist. Die Fülle an Sendern ist auch tagsüber völlig ausreichend.





                                                            

Baujahr 1937
Geräte-Bezeichnung VE301Wn
Wellenbereiche MW - LW
Röhrenbestückung AF7 - RES164 - RGN354
Besonderheiten

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