Zweikreisempfänger für MW und KW


Ein kombinierter Röhrenempfänger hoher Empfindlichkeit für Kurzwelle und Mittelwelle war ein Projekt, das ich Ende der Sechziger ohne Gehäuse und Frontplatte leider nicht ganz vollendete.
Einen Schaltplan hatte ich nicht mehr, aber das Chassis und zwei der drei Röhren waren noch vorhanden. Einem Wiederaufbau stand demnach nichts im Wege.



Um die verwendeten Röhren aus den 40ern schön betrachten zu können, wählte ich eine offene Bauweise auf einem Chassis des bekannten Jäger-Gehäuses. Die Frontplatte wurde groß genug gewählt, um alle benötigten Bedienelemente aufgeräumt unterbringen zu können.
Dadurch wird es zwar zum klassischem "Staubfänger", aber der Anblick beim Glühen der Röhren ist einfach atemberaubend.
Schaltungstechnisch haben wir es hier mit einem Zweikreiser und zwei NF-Stufen zu tun, in der Sprache der Funkamateure also ein 1-V-2.
Dies bedeutet: ein HF-Verstärker - eine Audionstufe - zwei Niederfrequenzverstärker.

Für folgende Empfangsbereiche habe ich mich entschieden:

MITTELWELLE 540 - 1600 KHz
KURZWELLE 1 1800 - 1950 KHz 160m-Amateurfunkband
KURZWELLE 2 3500 - 3850 KHz 80m-Amateurfunkband
KURZWELLE 3 4750 - 5000 KHz 60m-Rundfunkband
KURZWELLE 4 5400 - 5750 KHz Flugfunkband
KURZWELLE 5 5650 - 6250 KHz 49m-Rundfunkband
KURZWELLE 6 6800 - 7200 KHz 40m-Amateurfunkband
KURZWELLE 7 8350 - 9000 KHz Seefunk/Flugfunkband

Die Funktionsweise und der Aufbau lassen sich am besten mittels Schaltung und der Ansicht des Gerätes von hinten auf das Chassis erklären.





Das Gerät besitzt zwei Antenneneingänge für einen Mittelwellen-Langdraht und einen Koaxkabelanschluß für Kurzwelle, wenn auch als Bananenbuchse ausgeführt. In beiden Fällen kann eine Anpassung durchgeführt werden - mit dem Potentiometer für den Koaxeingang und mit Hilfe des Fm-Paketes eines kleinen Kunststoffdrehkondesators für die Langdrahtantenne.
Auf dem Bild kann man die beiden Vorkreisspulen für MW und die auf einem großen Keramikkörper gewickelte Spule für KW erkennen. Die drei gelben
 Windungen stellen die Koppelspule dar. Die Empfangsbereiche werden  mit zwei Ebenen eines
Drehschalters mit insgesamt 5 Ebenen und 8 Stellungen gewählt. Für MW und KW-Betrieb dient das erste Paket des Hauptdrehkos mit je 430pF zum Abstimmen.
Als HF-Verstärkerröhre kommt das Heptodensystem einer ECH4 zum Einsatz. Diese Röhre ist ein Sonderling aus meiner Sammlung, weil ich sie damals ihrer goldenen Metallisierung beraubt habe und auf einen Oktalsockel gesetzt habe. Von der abschirmenden Wirkung dieses Überzugs wußte ich zu diesem Zeitpunkt nicht viel und Außenkontaktsockel waren Ende der Sechziger auch schon     Mangelware. Die ECH4 ist drosselgekoppelt und über ein kleines     Koppel-C von 4,7pF geht es weiter zum Audion mit der amerikanischen Röhre 6D6.
Mit den verbleibenen drei Ebenen des Bandwahlschalters werden die entsprechenden Spulen für die Bereiche und die Anzapfungen für die Rückkopplung umgeschaltet. Für den Mittelwellenempfang ist das zweite Paket des Hauptdrehkondensators angeschaltet, bei KW wird ein kleinerer UKW-Drehko angewählt und stellt so zusammen mit dem Paralleltrimmer die oben angegebenen Bereiche sicher.
Dieser KW-Abstimmdrehko befindet sich in der dunklen Box in der Mitte des Chassis. Diese ist von einem Alu-Block umgeben, mit Styropor beklebt und  farblich angepasst . Eine gute thermische Stabilität ist die Folge.
Die Audionspule für 80m bis zum höchsten Band auf KW ist als Ringkern T130-2 ausgeführt. Die Spule hat demzufolge eine hohe Güte. Für MW und das 160m-Band sind zwei Zusatzinduktivitäten in Serie geschaltet. Das Bild von der Unterseite des Gerätes am Ende der Seite gibt darüber Aufschluß.
Die Audionröhre arbeitet mit Kathodenrückkopplung und NF-Drosselkopplung. Diese Drossel ist mittels eines Siemens-Topfkerns mit sehr großem AL-Wert hergestellt, ich habe spielend ca. 40H erreicht. Die erzielbare Verstärkung ist höher als bei Widerstandskopplung. Die Rückkopplung kann mit einer regelbaren Schirmgitterspannung sehr feinfühlig betätigt werden.
Nach einem einfachen Tiefpass gelangt die Niederfrequenz zum Lautstärkeregler des Gerätes. Und hier kommt nun die andere Hälfte der ECH4 zum Einsatz - die Triode wird als NF-Vorverstärker verwendet.
Bei diesem Röhrentyp kann man diese Schaltungsart wählen, bei den Nachfolgern der ECH4, wie etwa der bekannten ECH11 aus den Standardsupern der Vierziger oder der ECH42, geht dies nicht - das Triodengitter und das Gitter 3 der Heptode sind hier bereits intern verbunden, was da zu üblen Verkopplungen führen würde.
Die Triode macht etwa 10-fache Verstärkung und damit ist genügend "Saft" für die Tonendstufe EL32 vorhanden.
Von dieser schönen Endpentode auf Oktalsockel habe ich `mal zwei Stück vor einiger Zeit erworben.
Der Ausgangsübertrager ist ein üblicher Typ mit etwa 8 K-Ohm Impedanz.

Ein Lautsprecher ist in dem Gerät nicht vorgesehen, an der Rückseite gibt es einen DIN-Lautsprecheranschluß.
Im Netzteil kommt wieder einer der beliebten Engel-Trafos zum Einsatz und liefert 6,3V~ und ca. 130V=.
Mit einem russischen Glimmspannungsstabilisator wird die Betriebsspannung für das Audion auf 105V gehalten. Außerdem leuchtet die SG3S sehr schön rötlich-orange!!

In der Frontplatte sieht man die beiden Skalen, rechts diese für MW und die Kurzwellenvorkreise und in der Mitte die Abstimmskala für KW. Daneben ist eine Art Eichblatt angebracht, um die Zahlenwerte der Skala für jedes Band in Frequenz umzusetzen.
Das nebenstehende Bild zeigt die Kombi-Skala. Vor einigen Tagen ist mir hier leider das Skalenseil gerissen, es gibt also wieder Arbeit!!
Dem Aufwand gemäß sind die Empfangsleistungen natürlich enorm. An Empfindlichkeit steht dieser Apparat einem modernen Super in nichts nach, aber naturgemäß ist die Selektivität eines Audions begrenzt. Ein volles 40m-Band am Abend macht dem Gebilde zu schaffen, man muß die Antennenleistung am Eingang zurücknehmen.
Und trotzdem ist es immer wieder erstaunlich, mit welch geringer Stufenzahl so ein Empfänger zur vollsten Zufriedenheit arbeitet.

Lieber Leser, versuchen Sie es auch. Bestimmt finden sich irgendwo noch Teile für den Aufbau. Bei Fragen zu den Problemen der Materialbeschaffung oder zum Abgleich solcher Geräte stehe ich, wie eingangs betont, zur Verfügung.


Hier noch ein Bild der Unterseite