Wie Alles begann.....



Als ich 1954 geboren wurde, war  das röhrenbestückte Radio noch Stand der Technik. Schon als Kind haben mich die großen hölzernen Kisten irgendwie magisch angezogen.
Interessant war das Drehen an den großen Knöpfen und das Gepiepse auf der Taste KW.
Und da konnte man Radio Österreich, Radio Schweden und sogar Kanada in deutscher Sprache hören. Die Kurzwelle hatte mich gepackt.
Im zarten Alter von etwa acht Jahren - wurde mir berichtet - wollte ich immer wieder wissen, wie denn so ein Apparat arbeitet und da kam ein von der Stadtbücherei in Waldsassen ausgeliehenes Buch wohl zur rechten Zeit. Dort war der Bau von einfachen Radios mit Röhren vortrefflich erklärt. Leider kann ich mich weder an den Titel noch an den Autor erinnern -  schade!
Fortan brauchte ich Teile. Meine Begeisterung für das Radio sprach sich in der Nachbarschaft schnell herum und ich wurde laufend mit ausgedienten Radioapparaten "versorgt".

Dummerweise habe ich die meisten zerlegt , um Röhren, Trafos, Spulen und Lautsprecher zu gewinnen. Diese Geräte wären heute für jeden Sammler Schmuckstücke. Ein Großteil davon waren Vorkriegsmodelle, Teile von Volksempfängern VE301 und viele Röhren jener Zeit habe ich heute noch im Besitz.
Eine Menge an Schaltungen wurde aufgebaut, teils auf abenteuerlichen Brettunterlagen oder ausgedienten Chassis. So manches Anodenblech einer Röhre mußte ihr Leben lassen. Aber das Wissen über Röhren und deren Schaltungseigenheiten stieg und die Qualität der Apparate verbesserte sich.

Um 1964 stellte ich schließlich meinen ersten Superhet her, war aber kein sonderlich guter Wurf. 
Auf Wellenjagd ging es zunächst mit dem GRUNDIG 3033-3D meiner Eltern. Antennen wurden auf dem Dachboden gespannt,  das Kurzwellenhören war zu meinem großen Hobby geworden.
Neben unzähligen Radiostationen aus aller Welt gelang mir eines Abends so um die 7 MHz erstmals der Empfang von Amateurfunkstationen und auch dem Seefunk, damals noch in Amplitudenmodulation.
Ein baugleiches Gerät ist noch heute funktionsfähig in meinem Besitz, es wurde von mir behutsam restauriert.
Ende der Sechziger kam kein Kurzwellenfreund um den Spitzenempfänger GRUNDIG Satellit 210 herum, auch ich nicht! Nach einem Ferienjob Ende 1969 war auch ich stolzer Besitzer .

Eine neue Welt tat sich auf. Erstmals konnte man vernünftig auch die Einseitenbandsendungen der Funkamateure und anderer kommerzieller Funkdienste empfangen.
Anfang der Achziger bedurfte der Satellit 210 einer grundlegenden Überholung - heute ist dieser faktisch im Neuzustand.

Und was verboten ist, reizt ja bekanntermaßen sehr: einige Sender für UKW und KW entstanden auch in dieser Zeit mit zum Teil erheblichen Leistungen!!

Der Weg zum Amateurfunk war nicht mehr weit.
Aber erst 1977 legte ich bei der damaligen Oberpostdirektion Regensburg die Amateurfunkprüfung zunächst als DC5RB ab. Drei Jahre später konnte ich als DL1RAP
endlich auf der geliebten Kurzwelle dabei sein.

Beruflich bin ich seit 30 Jahren in der Elektronik-Entwicklung tätig und habe es dort mit modernster Technik zu tun, aber die Liebe zu Schaltungen mit Elektronenröhren ist geblieben.
Vielleicht ist es das warme Glühen oder einfach die Kombination Glas und oranges Licht, die auf viele Techniker einen besonderen Reiz ausübt.
Noch werde ich nicht müde, neue Gerätschaften für den Amateurfunk oder für die Vitrine zuhause zu gestalten.

Besonderer Dank gilt meiner Frau Ursula, DL4RBE, die mir viel Geduld und Verständnis entgegenbringt.

Bernhard Baumgärtl, DL1RAP
Waldsassen, im November 2010



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